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Wohnen in Gemeinschaft und Sicherheit - Konzept für das Wohnen im Alter

Einführung

Der Verein Alter und Soziales e.V., dem neben der Stadt auch die Träger der gesundheitlichen, pflegerischen und sozialen Dienste angehören, und die Stadt Ahlen arbeiten mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen eng zusammen. Auf der Grundlage eines integrierten Handlungskonzeptes wird in Trägerschaft des Vereins und der Vereinsmitglieder eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt. Diese sind in Projektnetzen zusammengefasst, um die Wirkungskraft der einzelnen Initiativen zu erhöhen. Das folgende Projekt gehört zum Projektnetz IV „Engagement – Integration – Pflege und Wohnen“.

Titel:  „Nachbarschaftliches Wohnen im Alter mit Gemeinschaft und Sicherheit“

Laufzeit: seit 01.06. 2011

Träger: Verein Alter und Soziales e.V., Stadt Ahlen

Förderung der Konzeptentwicklung: Kuratorium Deutsche Altershilfe (Förderung des Berichts, s. Anlage)

Kurzbeschreibung:

In Ahlen wird seit 1992 intensiv an der Optimierung des ambulanten Versorgungssystems für ältere hilfe- und pflegebedürftige Menschen gearbeitet. Neben dem Auf- und Ausbau von innovativen und bedarfsgerechten Angeboten stehen die Vernetzung und die Zusammenarbeit der Dienste und Einrichtungen im Mittelpunkt der Arbeit. Um diese auch strukturell abzusichern, gründeten die TrägerInnen von gesundheitlichen und sozialen Diensten und die Stadt Ahlen den Verein "Alter und Soziales e.V.". Dieser führt zahlreiche Modellprojekte durch, hier werden Leitlinien für die Weiterentwicklung des Hilfesystems vereinbart und Sozialplanung vorgenommen.

Nun soll das Postulat „ambulant vor stationär“ auch auf das Wohnangebot für hilfe- und pflegebedürftige Menschen übertragen werden. Da Ahlen relativ wenige Heimplätze aufweist, treten InvestorInnen aus dem gesamten Bundesgebiet an die Stadt Ahlen heran, um eine weitere Einrichtung mit 80 Plätzen zu errichten. Diese Vorhaben entsprechen allerdings nicht der Philosophie der Ahlener Seniorenarbeit. Vielmehr sollen Wohnalternativen entstehen, die für die verschiedenen Bedarfslagen passgenaue Lösungen bieten und möglichst lang eine selbstständige Lebensführung ermöglichen.

Um die Errichtung von Wohnprojekten anzuregen und um InvestorInnen sowie BetreiberInnen verständlich zu machen, welche Entwicklungen in Ahlen gewünscht und unterstützt werden (und welche auch nicht!), haben Verein und Stadt zusammen ein Handlungskonzept aufgestellt, das neben Zahlen, Daten und Fakten auch fachlich-inhaltlich Ziele vorgibt. Grundlage hierfür war ein partizipativer Prozess mit BürgerInnen, lokalen Diensten, Politik und Fachleuten, in dessen Verlauf die Wünsche und Vorstellungen der Beteiligten erfasst und ausgewertet wurden.

Dezentral in den Stadtteilen sollen ausdifferenzierte Wohnalternativen entstehen, die mit Angeboten der sozialen Teilhabe verknüpft sind. Konkret: Projektiert sind sog. "Quartierszentren", die barrierefreies Wohnen, betreutes Wohnen und Pflegewohnen sowie Wohnangebote für Menschen mit Demenz verknüpfen. In den Zentren finden zudem Beratung - wie z.B. die Wohn- und Pflegeberatung - und nachbarschaftliche Hilfen statt. Die Quartierszentren strahlen so Sicherheit und Gemeinschaft in die umliegende Wohnbereiche, insbesondere in die Senioren- und Pflegehaushalte aus. Ergänzt werden die Zentren durch weitere Wohnprojekte in der Stadt.

Voraussetzung für ein Gelingen ist im Umsetzungsprozess eine enge Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Sozial-, Stadtentwicklungs- und Bauleitplanung.

Nachdem die Vorstellungen zu den Quartierszentren breit kommuniziert wurden, ist die Resonanz erstaunlich. Zunehmend kommen InvestorInnen, ArchitektInnen und BetreiberInnen, die an der Verwirklichung des Handlungskonzeptes mitwirken werden. Im politischen Raum wird das Konzept positiv begleitet, erste Projekte nehmen bereits konkrete Formen an.

Die klare Position der Stadtverwaltung, der Politik und der Träger im Versorgungssystem bietet den Unternehmen der Pflege- und Bauwirtschaft eine gute Orientierung und Hilfestellung bei der Konzeptionierung eigener Vorhaben.

Betrachtung zum Wohnen im Alter und Quartierszentren aus Sicht kommunaler Sozialplanung

1. Weitblick und Wünsche – nahe an dem Menschen planen

Natürlich ist es zunächst attraktiv: Eine innerstädtische Brache wird mit einer 80-Betten-Einrichtung bebaut, Arbeitsplätze geschaffen und auf einen Schlag vermeintlich der zunehmende Pflegebedarf gedeckt. Das Risiko tragen die BetreiberInnen und InvestorInnen – der Markt wird es richten.

Dem kurzfristigen Erfolg stehen zwei Argumente entgegen:

  • die BürgerInnen wünschen sich eine soziale, pflegerische Infrastruktur und eine Wohnsituation, die sie bei dem Erhalt ihrer Selbstständigkeit im gewohnten Umfeld unterstützt
  • Hilfe- und Pflegebedarf ist sehr differenziert; die Angebote müssen eine Unter- wie eine Überversorgung der Menschen vermeiden. In vielen Fällen lässt sich durch eine ausdifferenzierte Angebotspalette eine ambulante, individuelle Lösung herstellen, die letztlich die Pflegekassen und meist auch den Sozialhilfeträger entlastet.

Wohnprojekte und Quartierszentren sind von ihrer Struktur und Konzeption geeignet, dem Wunsch der SeniorInnen zu entsprechen: kleinräumig, dezentral und gemeinwesenorientiert stellen sie die älteren Menschen ganzheitlich in den Mittelpunkt. Durch die Einbindung des Ehrenamtes werden die Einrichtungen in der Nachbarschaft verankert.

2.  Agieren statt reagieren - ermöglichen statt verhindern

Eine Kommune tut gut daran, sich in die Entwicklung des Wohnraums für Ältere steuernd und initiierend einzubringen. Im Rahmen der Daseinsvorsorge, der Versorgungsgerechtigkeit und -sicherheit ist es Ziel, den EinwohnerInnen in allen Stadtteilen und auch kleineren Vororten wohnortnahe Angebote für ein langes Leben in Selbstständigkeit bereitzustellen. Dem Markt überlassen heißt, es dem Investorinteresse anheimzustellen, wo etwas neu entsteht.

3.  Die Kommune kann ihre Vorstellungen zum Thema "Wohnen im Alter" im Gespräch mit den BürgerInnen und Fachleuten vor Ort erarbeiten und erreicht damit zwei Effekte:

  • Unternehmen der Bau- und Pflegewirtschaft erkennen deutlich, was im Gemeinwesen fehlt und gebraucht wird und somit erfolgversprechend ist
  • Projekte können an ausgewählten Standorten initiiert werden, Unternehmen gezielt angesprochen und für ein Investment gewonnen werden.

Für eine aktive Gestaltung des Wohnangebotes für Ältere bedarf es in der Kommune einer engen Zusammenarbeit zwischen Sozialplanung und Bauverwaltung für den Umgang mit den Projekten, die gewünscht oder auch unerwünscht sind.

4. Vernetzung und Zusammenarbeit für mehr Wertschöpfung

Auch wenn der hilfe- oder pflegebedürftige Mensch eine für sich passende Wohnung gefunden hat, so benötigt er i.d.R. eine Vielzahl von weiteren Hilfen und Angeboten, bis der Alltag reibungslos läuft und die Häuslichkeit nachhaltig gesichert ist. Um ein bedarfsgerechtes Hilfearrangement rund um das Wohnen zu schaffen, ist zur Nutzung der Angebotsvielfalt eine qualifizierte Beratung, z.B. in einem Quartierszentrum, erforderlich. Daher ist es Aufgabe der Sozialplanung

  • die Errichtung von Wohnangeboten anzuregen und den Umsetzungsprozess zu begleiten
  • ergänzende Hilfen und Angebote zu initiieren, Versorgungslücken zu schließen und die Dienste zu vernetzten sowie Transparenz herzustellen (Care Management)
  • für eine qualifizierte Pflege- und Wohnberatung zu sorgen, die neben Informationen und Beratung auch Einzelfallhilfe (Case Management) anbietet
  • Kommunikation und Teilhabe zu ermöglichen.

Kurzprofil als Pdf.

Bericht zum Wohnen im Alter als Pdf.